Offener Brief an die Berliner Bürger:innen
Offener Brief an die Berliner Bürger:innen
Liebe Berlinerinnen und Berliner,
jeden Tag versorgen die niedergelassenen Ärzt:innen und Psychotherapeut:innen rund 97
Prozent aller Patient:innen in Berlin. Sie sind die erste Anlaufstelle bei Krankheit, begleiten
chronisch Erkrankte über viele Jahre und gewährleisten eine wohnortnahe Versorgung. Damit
dies auch künftig möglich bleibt, braucht es ausreichend Praxen – und Ärzt:innen und
Psychotherapeut:innen, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen und sich niederzulassen.
Die ambulante Versorgung in Berlin steht an einem Wendepunkt.
Denn nach Einschätzung der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Berlin entzieht das am 10. Juli
im Bundestag beschlossene Beitragssatzstabilisierungsgesetz (BStabG) der ambulanten
Versorgung in Berlin jährlich rund 130 Millionen Euro. Diese Mittel fehlen dort, wo sie
unmittelbar der Versorgung der Patient:innen zugutekommen: in den Praxen der
niedergelassenen Ärzt:innen und Psychotherapeut:innen.
Vielen Ärzt:innen und Psychotherapeut:innen werden durch das neue Gesetz die finanziellen
Mittel fehlen, um ihre Praxen am Leben zu halten. Denn wenn erbrachte medizinische und
psychotherapeutische Leistungen nicht vollständig bezahlt werden, können die immer weiter
steigenden Kosten für Mieten, Strom und Personal von den Praxen nicht mehr gestemmt werden.
Die Folgen dieses Gesetzes werden auch für Sie im Alltag spürbar sein:
Die Wartezeiten auf Termine werden länger.
Der Weg zur nächsten Haus- oder Facharztpraxis wird weiter.
Weniger Präventionsleistungen, wie Vorsorgeuntersuchungen oder Impfungen, werden
angeboten.
Leistungen, die heute selbstverständlich zur ambulanten Versorgung gehören, werden
künftig zunehmend nur noch als Selbstzahlerleistungen verfügbar sein.
Gesundheit darf jedoch nicht vom Geldbeutel abhängen. Und es dürfen nicht nur diejenigen
profitieren, die ohnehin gesund sind – während ältere Menschen, chronisch Kranke,
Patient:innen mit komplexen Erkrankungen und Kinder den Kürzeren ziehen. Das ist eine
Entwicklung, die alles andere als sozial ist. Sie kommt jedoch nicht überraschend.
Bereits während des Gesetzgebungsverfahrens haben wir alle Berliner Bundestagsabgeordneten
eindringlich auf die gravierenden Folgen hingewiesen. Unsere Warnungen waren bekannt.
Dennoch haben sich zahlreiche Berliner Bundestagsabgeordnete entschieden, diesem Gesetz
zuzustimmen – Diese Entscheidung halten wir für einen schwerwiegenden Fehler.
Sie können selbst aktiv werden.
Wir möchten Sie bitten, diese Entwicklung nicht als unabwendbares Schicksal hinzunehmen:
Sie finden keinen Hausarzt mehr?
Sie warten monatelang auf einen Facharzttermin?
Sie müssen immer längere Wege zur medizinischen Versorgung in Kauf nehmen?
Sprechen Sie darüber mit den Bundestagsabgeordneten in Ihrem Wahlkreis!
Die KV Berlin wird sich weiterhin mit Nachdruck für eine starke ambulante Versorgung einsetzen
und auch künftig politische Fehlentscheidungen benennen. Unsere Verantwortung gilt den
Patienti:nnen dieser Stadt.
Ihre Kassenärztliche Vereinigung Berlin